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Ostalgie Camping

Bulgarien


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Flagge Bulgarien

Geschichtchen aus Bruderfreundesland - Bulgarien

Flagge Bulgarien

Wir lernten am bulgarischen Schwarzmeerstrand Jordan und seine Familie kennen. Sie campierten zu viert neben uns in einem kleinen Hauszelt und lebten recht beengt. Damit wir als ausländische Gäste nicht den Eindruck bekamen, sie seien arme Leute, steckte Mutti Jordan das niedliche Töchterchen mindestens drei Mal am Tag in ein anderes schickes Kleidchen, das in vollem Kontrast zum lockeren Campingleben stand. Die Ausleihe eines Gummihammers von uns an Jordan, veranlasste ihn, uns mit selbstgebranntem Pflaumenschnaps und eigen hergestellter Leberwurst zu bewirten. Freudestrahlend kam er am Morgen nach dem Gelage auf uns zu und teilte uns voller Stolz mit, dass er ab sofort auch ein "großes Haus" besäße und wir nicht denken sollten, er sei ein armer Mann. Wir verstanden nichts, bis er ein gebrauchtes Steilwandzelt heranschleppte, das er einem Kumpel für viel Geld abgekauft hatte. Von nun an fühlte er sich uns ebenbürtig. Daraus erwuchs eine herrliche Freundschaft, die viele Jahre anhielt und in gegenseitigen Besuchen ihre Höhepunkte fand.


antike Ruinen in Xissar (Hissaria)


Amphitheater in Plovdiv (Philippopolis)


Häuser in der Altstadt von Plovdiv

In Bulgarien wollten wir jeden Winkel erkunden, obwohl wir das gar nicht durften. Sofia lehrte uns, was ein Verkehrschaos ist, nicht wegen der vielen Autos, vielmehr wegen der vermutlich ausschließlich zur Straßenrandverschönerung aufgestellten Verkehrsschilder, der Straßensperren, Umleitungen, nicht korrigierten Richtungshinweise und sonstigen amtlich verordneten Ungereimtheiten. Für wohlerzogene Deutschossis waren Verkehrsregelungen selbstverständlich strikt zu befolgen. Bis wir merkten, dass man im sonnigen Bulgarien das Ganze nicht so verbissen sah. Wir fanden den Mut, begleitet vom verständnisvollen Grinsen der Verkehrshüter, Sperrschilder einfach zu ignorieren - und siehe da, das Chaos war gar keins mehr.


Sofia, Zentrum am Kaufhaus (rechts)


Markt von Sofia


Dimitrov Mausoleum


Moschee in Sofia

Auf der Fahrt an den Schwarzmeerstrand beschlossen wir, von Sofia aus den Weg durch die Rhodopen zu nehmen. Wie wir vorher wussten und später erfuhren, war das für uns als sozialistische Brüder wegen der Nähe zur griechischen Grenze gar nicht möglich. Trotzdem versuchten wir es. Und prompt gerieten wir in eine Straßenkontrolle, die uns bedeutete umzukehren und eine andere Route einzuschlagen. Auf die Frage, ob es nicht doch eine Möglichkeit gäbe, diese wildromantische Berglandschaft zu bereisen, nickte das uns kontrollierende Mädchen heftig mit dem Kopf. Leider konnten wir uns im folgenden wegen mangelnder Sprachkenntnisse nicht verständigen, welche Straße wir fahren mussten. Ob wir unbedingt umkehren müssten, wollten wir wissen, das Mädchen schüttelte ihr hübsches Köpfchen, wir dankten ihr herzlich und fuhren gut gelaunt weiter, ein wenig verwundert, dass sie und ihre netten Kollegen ein Stück des Weges gestikulierend hinter uns her rannten, dann aber schließlich aufgaben. Bulgarienkennern wäre das nicht passiert. Sie wissen, dass es eine Eigenart dieses freundlichen Volkes ist, bei "Nein" mit dem Kopf zu nicken und bei "Ja" denselben zu schütteln. Da man aber damals begann, sich den europäischen Gepflogenheiten zumindest gegenüber den Touristen anzupassen, konnte es schon einmal zu Missverständnissen kommen. Wir jedenfalls genossen die herrlichen Rhodopen, ihre wunderschön anzusehenden romantischen Dörfer und die uns immer wieder staunend und freundlich lächelnd betrachtenden Bewohner.

Bulgarien ist ein Land voller Schönheiten, seien es die stolzen Klöster, die liebevoll gepflegten historischen Stätten, die malerischen Ortschaften, die phantastischen landschaftlichen Kleinode oder die Warmherzigkeit der Menschen.


Rila-Kloster


Nationalheiligtum der Bulgaren


Batschkowo-Kloster


im Inneren des Batschkovo-Klosters

Die Bulgaren gaben sich immer große Mühe, die Gäste herzlich zu empfangen, es sei denn es wurden derer auf einmal zu viele. Und so war es dann auf den Campingplätzen am Schwarzen Meer. Gastfreundschaft wurde durch Routine ersetzt, das Geschäft mit geringer Gegenleistung dominierte. Hatten die Plätze im Inland noch ein ansprechendes Niveau, waren die Seeplätze, wie wir sie erlebt haben, in oft erbärmlichem Zustand. Am schlimmsten war es um die Sanitäranlagen bestellt. Es war so schlimm, dass wir wie die meisten anderen Camper in den umliegenden Wäldchen wie zu Urzeiten die Notdurft verrichteten. Und das war wegen der stinkenden "Tretminen" nicht ganz gefahrlos. Aber was sollte man tun? Chemietoiletten kannte der DDR-Camper nicht. Und sich auf zwei Backsteine mitten in eine mehr oder weniger überdachte Kloake zu hocken war nun wahrlich nicht unsere Sache.


Schwarzmeerküste bei Losenez


Camping Losenez


Küstenlandschaft im Süden Bulgariens


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Titelbild Buch Ostalgie-Camping - Camp-Erlebnisse in der DDR
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unsere Seiten wurden letzmalig geändert am 04.11.2016

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