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Ostalgie Camping

Rumänien


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Geschichtchen aus Bruderfreundesland - Rumänien

Flagge Rumänien

Grenzen haben es in sich, rumänische besonders.

Jeder Autoreisende konnte ein leidvolles Lied davon singen, wenn er diese Grenze überwinden musste. Das bedeutete immer stundenlanges Warten, bis sich ein Grenzer herabließ, den Schlagbaum zu öffnen und dem Gast die Passage zu erlauben. Vorher hieß es Auskunft erteilen, ob man Wodka, Waffen und Banditi mit sich führte oder versteckt habe. Manchmal reichte ein Päckchen Kent-Zigaretten, den gestrengen Kontrolleur ein wenig zur Eile anzutreiben, meist musste man sich aber der Tortur einer lästigen Beschau des Inhalts seines Gepäcks unterziehen. Während vor uns bei einem der Grenzübertritte einem Rumäniendeutschen das Cabrio zerlegt wurde, um nach dem Zusammenbau dem Grenzer noch als Probefahrtgerät zu dienen, filzte der Zoll auf der anderen Seite ein ungarisches Gefährt, dessen Beifahrerin bei über 30 Grad im Schatten ihren Körper in einen nagelneuen Pelzmantel gehüllt hatte. Keiner wollte ihr glauben, dass es sich bei dem Kleidungsstück nicht um Schmuggelware handelte.

Währenddessen ging das Warten weiter. Freundliche Lkw-Fahrer verteilten Tomaten an die Mitleidenden, als Gegenleistung gab es Kaugummi, Bonbons und Zigaretten. Von diesem Zeug hatte jeder erfahrene Rumänienreisende ausreichend an Bord, musste man sich später damit an den Ortsdurchfahrten, auf den Parkplätzen und selbst an den abgelegensten Streckenabschnitten der Transfagaras in den Karpaten der vielen bettelnden Kinder erwehren.


die Transfagaras


wildes Camp auf dem Pass


Zelter in den Bergen


Schafherde im Fagaras

Damenstrumpfhosen, gebrauchte Jeans und Propangas führte man mit, um einige der wunderschönen Stickereien zu erwerben, die fleißige Frauenhände gefertigt hatten und nun entlang der Transitstraßen an langen Wäscheleinen oder in kleinen Verkaufsbuden feilboten.


Souvenirstände mit Folkloreangeboten

Rumänische Campingplätze hatten so ihre Eigenarten: Wasser gab es nur zu festgesetzten Zeiten, die Sanitäranlagen trugen diesen Namen in Ermangelung einer anderen Bezeichnung, freundlich waren die Platzverwalter selten, es sei denn, sie erwarteten eine kleine Zugabe.


Camping Timisoara

Am liebsten nahmen sie Benzinbons, mit denen sich jeder Transitreisende Schlange stehend am Grenzübergang eindecken musste. Kilometerlange Auto-Wartegemeinschaften vor den Tankstellen ließen erahnen, welche Geduld ein rumänischer Pkw-Besitzer aufbringen musste, um seinen „Dacia“ mit Sprit füttern zu können. Anfangs reihten wir uns als routinierte DDR-Ansteher am Ende der Wartenden ein, merkten aber bald, dass wir privilegiert waren und an speziellen Tanksäulen Benzin fassen konnten, zwar oft nicht das bezahlte teure Premium, aber immerhin mussten wir nicht auf den nächsten Tankwagen warten. Dafür ließen wir uns auf ein Palaver mit jugendlichen Roma ein, rauchten gemeinsam ein Zigarettchen, lachten und bauten Vorurteile ab, bis wir bemerkten, dass wir von allen Seiten beklaut worden waren. Und das, obwohl wir wie alle Balkanreisenden die Scheibenwischerblätter vorsorglich schon vor dem Grenzübertritt abgebaut und die Schwenkarme mit dickem Pflasterband gegen versehentliches Bewegen geschützt hatten. Dafür fehlten jetzt Antenne, Spiegel und sonstige Anbauten.

Im rumänischen T. fuhren wir den örtlichen Campingplatz an. Mitten durch eine Schweinefarm führte die unbefestigte Straße auf ein eingezäuntes Gelände mit bauernhofähnlichen Gebäuden, vielen streunenden Hunden, einigen Zelten und einer riesigen Pkw-Limousine, aus der sage und schreibe 11 verschleierte Weiblichkeiten herauskletterten und sich als Familie eines Arabers entpuppten. Vor Staunen blieben wir und die restliche Campergemeinde stehen und verpassten so die kurze Zeit der öffentlichen Wasserentnahme. Das war schlimm, hatten wir nun nicht einmal genug Wasser um eine Art Toilettenspülung zu improvisieren. Glücklicherweise regnete es in der Nacht und einige aufgestellte Blechbehälter füllten sich mit Regenwasser. Dafür konnte man die nunmehr überschwemmten WC´s nicht mehr benutzen. Über die Art wie wir die notwendigen Bedürfnisse dann doch noch regelten, schweigen wir lieber.

Im Rumänischen ereilte uns die Nacht auf der Fahrt in Richtung bulgarischer Grenze. Wir suchten eine versteckte Stelle im Wald neben der Straße. Ein Lichtschein wies uns den Weg zu einer Gruppe Landsleute, die sich schon ein Übernachtungsplätzchen gesucht hatten. Man begrüßte uns freudig, je mehr Leute, um so sicherer die Nacht. Wir waren noch nicht fertig mit der Errichtung des Nachtlagers, als uns von allen Seiten militärisch klingende Befehlslaute aufschreckten. Mit entsicherten Maschinenpistolen umstelle uns eine Gruppe Grenzsoldaten, die uns aus dem Sperrgebiet zur jugoslawischen Grenze zu vertreiben gedachte. Das Palaver, die Aufregung und zugestandener Maßen auch Angst dauerten ewig, bis wir im gegenseitigen Verständnis um die verzwickte Lage einen Ausweg fanden und letztlich doch in die Freiheit entlassen wurden. Wenige Meter von unserem ausgesuchten Plätzchen war das Sperrgebiet zu Ende und wir konnten im Schutz ständig auf der nahen Straße marschierender Soldatenkolonnen die Nacht durchwachen. Laute Geräusche um unser Zelt ließen uns den nächtlichen Ausflug eines Igelchens vermuten. Die Spuren am nächsten Morgen wiesen allerdings Tatzengröße 57 auf, muss ein großer Igel gewesen sein.


Torkunst in Siebenbürgen


am Fuße des Fagaras


Transfagaras


Bilea-See<


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unsere Seiten wurden letzmalig geändert am 04.11.2016

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