Campingzone
 

ostalgische Campinggeschichten


Wie man Camper wird


Es muss in meiner Gene so angelegt sein, dass ich ein Faible für Camping entwickelte. Bereits seit frühester Kindheit hatte ich immer irgendwie das Bedürfnis, unter einem Zeltdach zu leben, zumindest erinnere ich mich, dass ich mich in derartigen Situationen einfach wohl fühlte. Das begann mit dem Aufenthalt unter dem großen Stubentisch, von dem ich nach einiger Zeit in einen anderen Raum umzog und eine abgeschlossene Ecke suchte, um dort das angefangene Spiel fortzuführen. Mit einem kleinen selbst zusammengebastelten Zirkus kutschierte ich von einer Teppichecke in die andere, baute auf und ab, ganz so wie es bei späteren Reisen auch sein würde.

Mit zunehmendem Kindesalter setzten sich diese Aktionen im Freien fort. Ein Stück Wäscheleine, zwei Decken, Wäscheklammern und Steine als Heringsersatz reichten aus, um zwischen zwei Baumstämmen ein Zelt zu errichten. Die erste übernachtung im nahe gelegenen Wäldchen bildete den schaurig-schönen Höhepunkt eines sich anbahnenden Camperlebens. Die Decken wurden von eigenhändig imprägnierten Stoffbahnen abgelöst und riesige Nägel übernahmen die Funktion der Heringssteine. Später ersetzten Armeezeltplanen diese Konstruktion und das Ganze nahm schon den Charakter richtigen Zeltens an. Höhepunkt und vorläufiger Abschluss der kindlich-jugendlichen Camperkarriere bildete der Aufenthalt in einem ersten selbst gekauften Hauszeltchen und einer winzigen Luftmatratze. All diese Vorzeichen eines sich anbahnenden Hobbys führten als Nebeneffekt zur Sammlung angenehmer, aber größtenteils unangenehmer Erfahrungen.

Jeder Camper, der von der Pieke auf diesen Weg eingeschlagen hat, weiß, wovon ich schreibe: Die nächtlichen Geräusche, Städterohren ungewohnt und deshalb argwöhnisch belauscht; die in den Morgenstunden heraufkriechende feuchte Kälte; die drückende Wurzel unter dem Gras- oder Laubbett; das ängstliche Abwarten eines kleines Unwetterchens; der ewige Kampf mit dem plagenden Mückengetier; die morgendliche Toilette im Walde; und nicht zuletzt das selbst zu kochende Tütensüppchen am Feuer, welches sich ewig nicht entfachen lassen will.

Campingplätze waren in den 50er und 60er Jahren in der DDR noch recht rar, ihre Ausstattung eigentlich nicht vorhanden oder naturbelassen - wie es heute heißen würde.

Ein Beispiel: Am Rande der DDR-Hauptstadt Berlin gab es bei Grünau einen schmalen Wald- und Seestreifen, der als Zeltplatz ausgewiesen war. Den für die Nutzung notwendigen Zeltschein musste man in einem Magistratsbüro am Alexanderplatz erwerben, was auch problemlos und kostengünstig möglich war. Einen Platzwart gab es in Grünau nicht, dafür aber mehrere Polizeistreifen zu nächtlicher Stunde, die die Zeltscheinkontrollen gründlich und mit gebotener Strenge vornahmen. Der Rest war urnatürliches Campieren am Rande der Zivilisation. Viele meiner damaligen Freunde hatten diese Art des freien Lebens längst aufgegeben, ich blieb ihr treu, weil es in meiner Gene so angelegt sein muss.


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unsere Seiten wurden letzmalig geändert am 04.11.2016

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